Die Idee...

Den Landtag mit den Augen einer Volontärin entdecken: Während meines zweijährigen Volontariats in der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtags könnt ihr mir in diesem Blog virtuell über die Schulter schauen. Euch erwarten persönliche Eindrücke und kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag und dem politischen Geschehen. Viel Spaß beim Lesen!

Mittwoch, 27. September 2017

Ein Jahr Landtag - ein Rückblick

Eins steht fest: Das mit dem verspäteten Sommer hat nicht mehr geklappt. Inzwischen habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass ich in diesem Jahr noch einmal mit Sommerkleid und Sandalen im Büro sitzen werde. Gerade erst habe ich mal wieder meinen Feierabend nach hinten verschoben, weil ich auf dem Weg nach Hause mit dem Fahrrad nicht klitschnass werden wollte. Es blieb mir also etwas Zeit, mich mit meinen Gedanken an mein erstes Jahr im Landtag zu beschäftigen.

Gleich zu Beginn meines Volontariats, nach zweieinhalb Wochen, wurde ich ins kalte Wasser geworfen – es ging für vier Wochen an die Akademie für Publizistik in Hamburg. Dort habe ich jeden Tag journalistisches Handwerkszeug gepaukt: Nachrichten schreiben, Interviews führen, Fotos machen und Vieles mehr. Das alles mit tollen Dozenten und 20 anderen Volontären aus ganz Deutschland. Eine super Zeit! Ich habe unheimlich viel gelernt.

Und auch wenn mein Kollege es noch nicht zu 100 Prozent wahrhaben möchte, bin ich im Laufe des Jahres eine richtige Expertin in Sachen plenum-online, der Plattform für die Berichterstattung während der Plenartagungen im Landtag, geworden. Hintergründe zu Anträgen und Gesetzentwürfen schreiben – nichts leichter als das. Und auch Meldungen und Berichte für die Landtagszeitschrift und die Website gehören für mich inzwischen genauso zum Alltag wie das System dahinter. 

Einiges wiederholt sich, viel Neues kommt dazu


Ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem sich die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen des Landtages wiederholen. Mit der Landwirtschaftsmesse Norla in Rendsburg hat sich der Kreis geschlossen. Dorthin ging es für mich gleich an meinem zweiten Arbeitstag im vergangenen September. Ich erinnere mich noch gut, dass ich im Gespräch mich den Menschen am Landtagsmessestand oft noch unsicher war und die richtigen Infos nicht sofort parat hatte. Dieses Mal habe ich mich viel besser gefühlt und es hat richtig Spaß gemacht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Vieles an meiner Arbeit im vergangenen Jahr ist mir positiv in Erinnerung geblieben, seien es Fototermine mit prominenten Gästen, ein Interview mit dem Landtagspräsidenten oder ein Wochenende „Jugend im Landtag“, an dem ich eine Jugendgruppe beim Videodreh begleiten durfte. Bei allem, was ich bereits gelernt habe, freue ich mich nun darauf, noch häufiger die strategische Pressearbeit zu begleiten. Mein nächstes Ziel: Ich will Profi im Verfassen von Pressemitteilungen werden.

Freitag, 4. August 2017

Sommerpause ohne Sommer

Verregneter Sommer in Kiel (Foto: Landtag)
Klitschnass stelle ich mein Fahrrad vor der „Karoline“ ab. Meine Schuhe triefen, zusammen mit meiner Jacke und meiner Regenhose müssen sie im Büro nun erstmal trocknen. Schon wieder ist es grau und nass draußen – so habe ich mir meinen ersten Sommer im Landtag nicht vorgestellt.

Meine Kollegen haben geschwärmt, wie schön die Sommerzeit sei: Arbeiten bei offenem Fenster und Sonnenschein, Mittagspause an der Förde, nach Feierabend eine kurze Abkühlung am Wasser – Pustekuchen. 

Der Politikbetrieb ruht bis September 

 

Trotz Herbstwetter hat im Landtag die Sommerpause oder genauer gesagt die sitzungsfreie Zeit begonnen. Was das betrifft, hatten die Kollegen Recht. Nach der Juli-Tagung fällt der Hammer: kaum noch Termine, wenige Mails und auch der Pressespiegel ist deutlich dünner als sonst. Politische Themen scheinen in dieser Zeit nahezu aus der Öffentlichkeit zu verschwinden. Während sich viele Mitarbeiter nach und nach in den Urlaub verabschieden, widmen sich die Abgeordneten jetzt ihrer Arbeit im Büro oder in den Wahlkreisen. Oder sie gönnen sich eine Auszeit. Im sonst so belebten Landeshaus wird es still auf den Gängen. 

Auch für mich ist es nun Zeit, an Urlaub zu denken. Gerade habe ich den letzten Artikel für die Homepage vorbereitet und auch mein Schreibtisch ist inzwischen aufgeräumt. Die nächsten vier Wochen werde ich dem Landtag den Rücken kehren. Die Hoffnung auf gutes Wetter gebe ich nicht auf – noch ist es nicht zu spät für einen schönen Sommer. In diesem Sinne wünsche ich allen einen erholsamen und hoffentlich sonnigen August.

Montag, 17. Juli 2017

... und täglich grüßt der Presslufthammer

Es ist kurz vor 10 Uhr, gerade öffne ich eine Mail vom Chef – am Mittag steht eine Besprechung an. Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ohrenbetäubender Krach dringt durch den Raum. Ich werde an meinem Schreibtisch regelrecht durchgeschüttelt. Das Telefon klingelt. Ich kann es kaum hören, aber das Display zeigt den Namen der Kollegin im Büro unter mir an. „Ist es bei euch auch so laut?“, ruft sie ins Telefon. „Ich kann dich kaum verstehen“, schreie ich zurück. Durch die offene Bürotür sehe ich, wie einige Kollegen mit verzerrten Gesichtern und ihre Hände auf die Ohren gepresst in Richtung Ausgang eilen. 

Home Office statt Baulärm


Bauschutt vor der "Karoline" (Foto: Landtag)
Über den Flurfunk verbreitet es sich schnell: Eine Etage tiefer werden Wände herausgestemmt. Das ist ja interessant, denke ich mir. Auf unserem Flur wusste anscheinend keiner davon. Eine Handvoll Kollegen versammelt sich in der Küche. Wir sind ratlos. Wie lange werden die Bauarbeiten dauern? Und wie sollen wir bei diesem Lärm arbeiten? Einige klagen schon über Kopfschmerzen.

Zum Glück kommt kurze Zeit später die erlösende Nachricht: Wir können einen Antrag auf Dienstbefreiung stellen oder von zu Hause aus weiterarbeiten. In jedem Fall müssen wir uns den Krach nicht länger anhören. Gesagt, getan. 

Kurze Ruhe vor dem nächsten Sturm


Am nächsten Tag scheint es ruhiger zu sein. Ich kann zwar meine Fenster nicht öffnen, weil die Bauarbeiter unter mir Schutt in einen Container werfen und es zu mir hochstaubt. Aber das ist kein Vergleich zum Presslufthammer-Lärm vom Vortag. Unser Chef startet einen neuen Versuch, er lädt das Referat erneut zu einem Besprechungstermin am Mittag ein. Punkt 10 Uhr: Mein Schreibtisch erzittert. Das kann doch nicht wahr sein … 

Es kommt, wie es kommen musste. Die Abrissarbeiten sind natürlich nicht nach einem Tag beendet. Nach einigen Minuten ploppt eine Mail in meinem Postfach auf: Dienstbefreiungsantrag. Das ging schnell. Und was kommt als Nächstes? – Richtig: Die Besprechung ist auch abgesagt. Ein wirklich filmreifes Szenario. Da sagt noch einer, in der Sommerzeit ist es ruhig in der Landtagsverwaltung – weit gefehlt.