Die Idee...

Den Landtag mit den Augen einer Volontärin entdecken: Während meines zweijährigen Volontariats in der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtags könnt ihr mir in diesem Blog virtuell über die Schulter schauen. Euch erwarten persönliche Eindrücke und kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag und dem politischen Geschehen. Viel Spaß beim Lesen!

Mittwoch, 21. Februar 2018

Einen neuen Feiertag braucht das Land

Nach langem Ringen geht es am Ende doch ganz schnell: Schleswig-Holstein bekommt einen neuen Feiertag. Genauer gesagt haben wir im letzten Jahr schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie es ist, an diesem Tag frei zu haben – es geht um den Reformationstag am 31. Oktober. Nicht nur, dass ich mich als Schleswig-Holsteinerin, die wenige Feiertage gewohnt ist, auf einen zusätzlichen freien Tag freue – wir haben nämlich nur neun, die Bayern 13. Ich finde aber auch den Prozess, der hinter der Entscheidung steckt, bemerkenswert.

Der SSW hatte den Stein schon in der vergangenen Wahlperiode ins Rollen gebracht. Sie wollten am 13. Dezember den „Tag der Landesverfassung“ feiern. Damals waren vor allem CDU und FDP dagegen, überhaupt einen neuen Feiertag einzuführen.
 

Eine bunte Auswahl an Vorschlägen kommt zusammen


Seit dem SSW-Vorstoß wurde es etwas unübersichtlich. Die SPD schlug zuerst mehrere Tage vor – unter anderem den Jahrestag des Kieler Matrosenaufstandes von 1918 am 2. November. Die Grünen warfen den Weltfrauentag am 8. März in den Hut und die FDP wollte plötzlich den 23. Mai als „Tag des Grundgesetzes“ zum Feiertag küren. Im Laufe der Debatte entschieden sich die Sozialdemokraten dann für den Reformationstag am 31. Oktober, den die AfD ebenfalls favorisierte. 

Zu guter Letzt verkündete die CDU, sie wolle sich mit den anderen norddeutschen Bundesländern auf einen gemeinsamen Feiertag einigen, und zwar auf den Reformationstag. Das kam überraschend. Waren die Christdemokraten nicht eigentlich gegen einen neuen Feiertag? Egal, die Entscheidung rückte immer näher, ein zusätzlicher Feiertag wurde immer wahrscheinlicher.

Und jetzt ist es soweit: Noch in dieser Woche wird die Entscheidung im Landtag endgültig fallen, eine Mehrheit für den Reformationstag ist sicher. Bei mir ist der 31. Oktober schon dick im Kalender markiert. Endlich ein bisschen mehr Gerechtigkeit gegenüber den Süddeutschen. Apropos Gerechtigkeit: Anstelle eines neuen religiösen Feiertags hätte mir ein weltlicher Feiertag wie der Weltfrauentag auch gut gefallen.

Freitag, 2. Februar 2018

Die echte Currywurst

Die Schlange bis zur Essensausgabe reicht durch die halbe Landtagskantine, Durchkommen ist kaum möglich. Hier und da drängeln sich Menschen – vollbeladene Tabletts balancierend – zwischen den Wartenden vorbei. Ich warte nur darauf, dass in dem Gewusel etwas zu Bruch geht. Aber die Kantinengänger sind geübt und diszipliniert. Besonders heute: Es gibt Currywurst.

Die bietet die Kantine etwa einmal im Monat an, meist in der Plenarwoche. Wie in anderen Betriebsrestaurants auch gehört sie zum festen Bestandteil des Speiseplans. Es sollen sich sogar Landtagsmitarbeiter darüber beschwert haben, als es die beliebte Wurst meist freitags gab. An einem Tag, an dem manche Mitarbeiter mittags Feierabend machen oder sich vielleicht auf das Essen mit der Familie freuen und nicht in die Kantine gehen – also werden die Currywurst-Tage jetzt variiert.

Auf die richtige Sorte kommt es an


Und nicht nur das, auch an der Sorte scheiden sich die Geister. Während ich noch überlege, was ich essen will, erinnere ich mich an die Diskussionen im Büro: Welche Wurst wird es heute wohl geben – „normale“ oder Berliner Currywurst? Lang oder kurz, dunkel oder hell? Die Antwort auf diese Frage wirkt sich bei einigen Kollegen stark auf die Essensentscheidung aus. Die eine Wurst ist beliebt, die andere eher weniger. Die eine sei weniger würzig und lasse sich schlechter schneiden, erklären mir meine Kollegen. Welche nun aber die „normale“ und welche die Berliner Wurst ist, verwechseln sie jedes Mal, wie sie zugeben. 

Also frage ich den Kantinen-Chef. Er bietet beide Sorten abwechselnd an. Im Gegensatz zu der „normalen“, dunklen und langen Currywurst, die man auch von der Imbissbude kennt, enthalte die helle und kurze Berliner Wurst weniger Zusatzstoffe. Daher sei diese Variante etwas hochwertiger, für einige aber nicht würzig genug. Den Mitarbeitern ist das egal. Für sie ist nur „normale“ Currywurst „echte“ Currywurst, das kann auch der Kantinen-Chef bestätigen.

Dienstag, 9. Januar 2018

Kleine Könige ganz groß

Das Jahr hat gerade erst begonnen und themenmäßig herrscht im Landtag angesichts der sitzungsfreien Wochen noch „Saure-Gurken-Zeit“. Das bedeutet: Es ist ruhig bei uns.Themen für die Berichterstattung werden noch gesucht.

Nun endlich stand der erste Termin des Jahres bevor: der Besuch der Sternsinger. Dass die als Heilige Drei Könige verkleideten Kinder jedes Jahr den christlichen Segen überbringen, sich mit einer Kreidezeichnung am Eingang verewigen und Geld für notleidende Kinder sammeln, wusste ich. Sie treffen auch die Kanzlerin und den Bundespräsidenten, die Aktion hat eine lange Tradition. Über die Größenordnung des Dreikönigssingens im Landtag war ich mir allerdings nicht im Klaren. Im vergangenen Jahr war ich zu dieser Zeit noch im Urlaub.

Sternsinger sind die neuen Popstars

Gedränge vor dem Eingangsportal. (Foto: Landtag)

Ich ahnte schon, was auf mich zukommt, als ich die Eingangshalle des Landeshauses betrat. Obwohl noch gar nicht alle Kinder da waren, blendeten mich schon die Scheinwerfer einiger TV-Kameras, Reporter liefen aufgeregt umher. Einen kurzen Moment fragte ich mich, ob unter den kleinen verkleideten Königen wohl ein echter roayler Spross sein würde. Dann ging es Schlag auf Schlag: Gruppenbild vor dem Eingangsportal, ein bisschen Gesang, weiter zur Kreidezeichnung „20*C+M+B+18“ an der Hauswand. Journalisten standen sich gegenseitig im Weg, versuchten sich in die erste Reihe zu drängen für das beste Bild. Ich konnte kaum glauben, was ich sah. Ein Reporter stieß in dem Getümmel einem verdutzten Kind sogar die Krone vom Kopf.


Bei meinem Versuch das Mädchen zu fotografieren, das den Segen neben die Eingangstür schrieb, wurde auch ich von zwei Kameramännern beiseite geschubst. Ok, es waren um die 50 Kinder und der Eingangsbereich des Landtages ist nicht besonders groß. Aber mit solch chaotischen Zuständen hätte ich im Leben nicht gerechnet. Anscheinend ist Anfang des Jahres nicht nur für den Landtag „Saure-Gurken-Zeit“, sondern auch für die Medien.