Die Idee...

Den Landtag mit den Augen einer Volontärin entdecken: Während meines zweijährigen Volontariats in der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtags könnt ihr mir in diesem Blog virtuell über die Schulter schauen. Euch erwarten persönliche Eindrücke und kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag und dem politischen Geschehen. Viel Spaß beim Lesen!

Dienstag, 14. Februar 2017

Der wahre Star im Landeshaus


Beliebt, geheimnisvoll und für viele unerreichbar – das gilt sicher auch für den einen oder anderen Politiker im Landtag. Der wahre Star im Landeshaus ist Besuchermagnet und ein begehrtes Fotomotiv der Medien. Mit Politik hat er jedoch wenig am Hut.

Keiner hat so viele Runden durch das Gebäude gedreht wie er. Auf jeder Etage ist er ein gern gesehener Gast und hält den Mitarbeitern seine Treue. Für die einen ist es tägliche Routine, für die anderen ein ganz besonderes Erlebnis. Auch wenn er mit fast 67 ein wenig in die Jahre gekommen ist, kommen viele Besucher seinetwegen in den Landtag. Schließlich gibt es nur noch wenige seiner Art – in Kiel sind es noch drei.  

Er hatte es nicht immer leicht. Verschiedene Vorfälle hätten beinahe sein Aus bedeutet. Zu alt sei er, entspreche nicht den modernen Standards. Seitdem werden regelmäßig alle Mitarbeiter im Umgang mit ihm geschult. Besucher müssen Abstand halten. 

Der Star im Landtag ist keine Person. Übersetzt bedeutet sein lateinischer Name "Vaterunser". Das hängt mit seiner Erscheinung zusammen. Sie ähnelt im übertragenen Sinne den Perlen eines Rosenkranzes – einer Zählkette für Gebete. An dieser Kette folgen auf zehn kleinere Perlen für je ein Ave Maria eine größere für das Vaterunser. Was sich unter Bergarbeitern einst als Kosename entwickelte, ist heute die gängige Bezeichnung für den beliebten Oldschool-Aufzug.

Seine Fans haben sicher längst erraten, wer der wahre Star im Landeshaus ist. Ihr auch? – Die Rede ist vom Paternoster.

Dienstag, 24. Januar 2017

Mit High-Tech auf Probefahrt



Vor dem Eingangsportal stehen die Dienstfahrzeuge des Landtages in Reih und Glied und warten darauf, ihre Fahrgäste zu chauffieren. Mit glänzendem Lack und getönten Scheiben vermitteln sie den Eindruck: Hier steigen nur gefragte Leute ein. Aber nicht nur termingehetzte Politiker, wie die Präsidenten und Fraktionschefs, dürfen auf den bequemen Ledersitzen Platz nehmen. Einer der 13 Dienstwagen steht ausschließlich den Mitarbeitern der Landtagsverwaltung für Fahrten zu Veranstaltungen und anderen dienstlichen Terminen zur Verfügung – allerdings müssen sie selbst ans Steuer. Eine Probefahrt ist Pflicht.

Um am Donnerstag zu einer Gedenkveranstaltung des Landtages nach Rendsburg fahren zu können, bekommen meine Kollegin und ich eine Einweisung in den Audi A3 Etron mit umweltfreundlichem Hybridmotor – und 160 PS. Wow, ich bin beeindruckt! Da können die 50 PS meines 15 Jahre alten Opel Corsa ohne Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber nicht mithalten. Als ich mich hinter das Lenkrad setze, bin ich fasziniert, wie viel High-Tech in dem Wagen steckt. Geplant ist eine Runde auf dem Parkplatz mit einem der Fahrer des Landtages, um uns mit dem Flitzer vertraut zu machen. 

Doch plötzlich heißt es, hinunter vom Parkplatz und ab auf die Straße. Aus der kleinen Runde wird eine Fahrt durch die Stadt über die Bundesstraße bis in einen Kieler Vorort. Auch gut, denke ich. Und schon gleite ich mit dem Audi fast geräuschlos über den Asphalt, die Zeit vergeht wie im Fluge. Nach 25 Kilometern und einer Stunde Fahrt inklusive Einparkübungen sind wir zurück am Landtag. Und wer hätte das gedacht: Die Einweisung dauerte länger als die Dienstfahrt nach Rendsburg selbst. Die Frage nach dem Warum verkneife ich mir, es hat richtig Spaß gemacht!

Freitag, 13. Januar 2017

Kaninchen im Landtag?



Stellt euch vor, der Verband der Kaninchenzüchter möchte seine Tierschau im Landeshaus präsentieren. Geht das? Schließlich bietet das altehrwürdige Gebäude repräsentative Räume, die solch einer Ausstellung einen besonderen Glanz verleihen würden. Und was viele nicht wissen: Im Landtag können auch Räumlichkeiten für Veranstaltungen gebucht werden, er ist nicht nur Ort des politischen Austausches.

Grundsätzlich ist der Landtag ein Haus mit offenen Türen: Es gibt Besucherabende, Kunstausstellungen, Lesungen und vieles mehr. Im letzten Jahr strömten knapp 13.000 Gäste in das Parlamentsgebäude. Besonders beliebt: Der Besuch einer Plenarsitzung. Die 90 Plätze auf der Besuchertribüne sind meist bis auf den letzten Sitz belegt.

Wer dagegen als Institution oder Organisation die Räumlichkeiten des Landtagsgebäudes nutzen möchte, sollte beachten: Die Veranstaltung muss thematisch einen Bezug zum Parlament haben. Dabei ist auch Platz für ungewöhnliche Events wie zum Beispiel ein Poetry-Slam op Platt, den der NDR im März gemeinsam mit dem Landtag veranstaltet. Klar, Plattdeutsch ist eine anerkannte Regional- und Minderheitensprache, die sogar in der schleswig-holsteinischen Landesverfassung geschützt ist. 

Der Charme des alten Gebäudes und vergleichsweise geringe Mietkosten sorgen das ganze Jahr für ausgebuchte Räume, Tendenz weiter steigend. Wer allerdings plant, seinen runden Geburtstag pompös im Plenarsaal zu feiern, sollte die Idee schnell wieder verwerfen. Privatpersonen können keine Räume mieten. Auch für die Kaninchen sieht es schlecht aus: sie haben zu wenig Berührungspunkte mit dem Landtag.