Die Idee...

Den Landtag mit den Augen einer Volontärin entdecken: Während meines zweijährigen Volontariats in der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtags könnt ihr mir in diesem Blog virtuell über die Schulter schauen. Euch erwarten persönliche Eindrücke und kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag und dem politischen Geschehen. Viel Spaß beim Lesen!

Freitag, 4. August 2017

Sommerpause ohne Sommer

Verregneter Sommer in Kiel (Foto: Landtag)
Klitschnass stelle ich mein Fahrrad vor der „Karoline“ ab. Meine Schuhe triefen, zusammen mit meiner Jacke und meiner Regenhose müssen sie im Büro nun erstmal trocknen. Schon wieder ist es grau und nass draußen – so habe ich mir meinen ersten Sommer im Landtag nicht vorgestellt.

Meine Kollegen haben geschwärmt, wie schön die Sommerzeit sei: Arbeiten bei offenem Fenster und Sonnenschein, Mittagspause an der Förde, nach Feierabend eine kurze Abkühlung am Wasser – Pustekuchen. 

Der Politikbetrieb ruht bis September 

 

Trotz Herbstwetter hat im Landtag die Sommerpause oder genauer gesagt die sitzungsfreie Zeit begonnen. Was das betrifft, hatten die Kollegen Recht. Nach der Juli-Tagung fällt der Hammer: kaum noch Termine, wenige Mails und auch der Pressespiegel ist deutlich dünner als sonst. Politische Themen scheinen in dieser Zeit nahezu aus der Öffentlichkeit zu verschwinden. Während sich viele Mitarbeiter nach und nach in den Urlaub verabschieden, widmen sich die Abgeordneten jetzt ihrer Arbeit im Büro oder in den Wahlkreisen. Oder sie gönnen sich eine Auszeit. Im sonst so belebten Landeshaus wird es still auf den Gängen. 

Auch für mich ist es nun Zeit, an Urlaub zu denken. Gerade habe ich den letzten Artikel für die Homepage vorbereitet und auch mein Schreibtisch ist inzwischen aufgeräumt. Die nächsten vier Wochen werde ich dem Landtag den Rücken kehren. Die Hoffnung auf gutes Wetter gebe ich nicht auf – noch ist es nicht zu spät für einen schönen Sommer. In diesem Sinne wünsche ich allen einen erholsamen und hoffentlich sonnigen August.

Montag, 17. Juli 2017

... und täglich grüßt der Presslufthammer

Es ist kurz vor 10 Uhr, gerade öffne ich eine Mail vom Chef – am Mittag steht eine Besprechung an. Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ohrenbetäubender Krach dringt durch den Raum. Ich werde an meinem Schreibtisch regelrecht durchgeschüttelt. Das Telefon klingelt. Ich kann es kaum hören, aber das Display zeigt den Namen der Kollegin im Büro unter mir an. „Ist es bei euch auch so laut?“, ruft sie ins Telefon. „Ich kann dich kaum verstehen“, schreie ich zurück. Durch die offene Bürotür sehe ich, wie einige Kollegen mit verzerrten Gesichtern und ihre Hände auf die Ohren gepresst in Richtung Ausgang eilen. 

Home Office statt Baulärm


Bauschutt vor der "Karoline" (Foto: Landtag)
Über den Flurfunk verbreitet es sich schnell: Eine Etage tiefer werden Wände herausgestemmt. Das ist ja interessant, denke ich mir. Auf unserem Flur wusste anscheinend keiner davon. Eine Handvoll Kollegen versammelt sich in der Küche. Wir sind ratlos. Wie lange werden die Bauarbeiten dauern? Und wie sollen wir bei diesem Lärm arbeiten? Einige klagen schon über Kopfschmerzen.

Zum Glück kommt kurze Zeit später die erlösende Nachricht: Wir können einen Antrag auf Dienstbefreiung stellen oder von zu Hause aus weiterarbeiten. In jedem Fall müssen wir uns den Krach nicht länger anhören. Gesagt, getan. 

Kurze Ruhe vor dem nächsten Sturm


Am nächsten Tag scheint es ruhiger zu sein. Ich kann zwar meine Fenster nicht öffnen, weil die Bauarbeiter unter mir Schutt in einen Container werfen und es zu mir hochstaubt. Aber das ist kein Vergleich zum Presslufthammer-Lärm vom Vortag. Unser Chef startet einen neuen Versuch, er lädt das Referat erneut zu einem Besprechungstermin am Mittag ein. Punkt 10 Uhr: Mein Schreibtisch erzittert. Das kann doch nicht wahr sein … 

Es kommt, wie es kommen musste. Die Abrissarbeiten sind natürlich nicht nach einem Tag beendet. Nach einigen Minuten ploppt eine Mail in meinem Postfach auf: Dienstbefreiungsantrag. Das ging schnell. Und was kommt als Nächstes? – Richtig: Die Besprechung ist auch abgesagt. Ein wirklich filmreifes Szenario. Da sagt noch einer, in der Sommerzeit ist es ruhig in der Landtagsverwaltung – weit gefehlt.

Freitag, 7. Juli 2017

Falsche Erwartungen

Der Petitionsausschuss tagt im Gegensatz zu den anderen ständigen Ausschüssen des Landtages nur selten öffentlich. Das liegt daran, dass es in den Petitionen zum Teil um sehr persönliche Angelegenheiten von Bürgern geht. Ihre Privatsphäre soll geschützt werden. Umso mehr war ich erstaunt, dass es in dieser Woche eine öffentliche Sitzung gab, in der sich das neu zusammengesetzte Gremium vorstellen und seine Arbeitsweise erklären wollte.

Spannend, dachte ich mir. Denn über die Arbeit im Petitionsausschuss wusste ich bisher nur so viel: Jeder Bürger kann sich mit einer Bitte oder Beschwerde, Petition genannt, an den Ausschuss wenden – das ist im Grundgesetz und in der Landesverfassung so verankert. Der Ausschuss geht der Sache dann nach und versucht zu schlichten. Soweit die Theorie.


"Alte Hasen" treffen auf "Grünschnäbel"


Im Tagungsraum angekommen, setze ich mich auf einen der Besucherstühle – ich bin der einzige Gast. Anders als in den übrigen Ausschüssen sitzen die Abgeordneten hier nicht nach Fraktionen gruppiert zusammen, sondern bunt verteilt. Es gibt keine Fraktionsdisziplin, jeder entscheidet für sich. Die "alten Hasen" unter den Parlamentariern begrüßen sich wie nach den Schulferien, sie freuen sich, einander wiederzusehen und die "Neuen" in kleiner Runde kennenzulernen.

Es folgt ein Vortrag über die Rechte, Pflichten und Aufgaben des Petitionsausschusses. Viele juristische Fragen (Wann ist der Petitionsausschuss zuständig?) und Begriffe (Sammelpetition, Massenpetition) werden aufgegriffen und erklärt, ich fühle mich etwas in die wenigen Jura-Vorlesungen zurückversetzt, die ich im Studium besucht habe.


Nicht spannend, aber notwendig


Die Vorstellung wirkt etwas trocken. Vielleicht bin ich mit den falschen Erwartungen in die Sitzung gegangen. Ich habe gedacht, hinter einer Einführung in die Arbeitsweise würden sich spannendere Einblicke in die Arbeit des Petitionsausschusses verbergen. Aber so ist das im Politikbetrieb, manchmal sind die Themen nicht so spektakulär wie gedacht. Und dennoch sind sie für die parlamentarische Arbeit wichtig vor allem für die neuen Abgeordneten, die sich zu Beginn der Legislaturperiode in die Arbeitsabläufe einarbeiten müssen. Nicht spannend, aber notwendig.