Die Idee...

Den Landtag mit den Augen einer Volontärin entdecken: Während meines zweijährigen Volontariats in der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtags könnt ihr mir in diesem Blog virtuell über die Schulter schauen. Euch erwarten persönliche Eindrücke und kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag und dem politischen Geschehen. Viel Spaß beim Lesen!

Montag, 15. Mai 2017

Aus der Schusslinie

Kaum ist die Wahl vorbei, geht das Gewusel von vorne los. Nicht nur die Fernseh-Studios werden wieder abgebaut, auch wir packen unsere Sachen. Die Pressestelle verlässt das Landeshaus – und macht Platz für die neuen Abgeordneten. Einige unserer Büros wird wohl die AfD übernehmen.

Alles fertig gepackt. (Fotos: Landtag)
Rund um meinen Schreibtisch stapeln sich die Kartons. Rote Zettel mit Namen und Zimmer-Nummer kleben auf Tischen, Stühlen, Monitoren und Papierkörben. Alle Stecker sind gezogen, die Kabel fein säuberlich um das zugehörige Gerät gewickelt. 

Auf einmal geht es zu wie auf dem Flohmarkt. Der erste Kollege kommt mit alten Büchern um die Ecke. „Kann das noch jemand gebrauchen? Ist von 1983.“ Er präsentiert einen über 30 Jahre alten Bildband über den Schleswig-Holsteinischen Landtag. Weitere Schätze kommen zum Vorschein. Auf dem runden Tisch in der Mitte unseres Büros sammeln sich viele ausgediente Dinge aus vergangenen Tagen: CDs, Taschen, Bücher. Längst verloren geglaubte Dinge tauchen in den Tiefen der Schubladen und Schränke auf. So läuft ein anderer Kollege den Rest des Tages mit einer blauen Landtagsschirmmütze herum, die er hervorgekramt hat.
Papierberge im Flur.

Nach zwei Tagen Packen und Sortieren gibt es kein Durchkommen mehr. Der Papiermüll vor unserem Büro hat sich zu einem bedrohlich schiefen Haufen aufgetürmt. Dann ist es endlich soweit: Die Möbelpacker rücken an und transportieren Kartons, Tische, Stühle und Schränke aus sieben Büros in unser neues Domizil – ein Bürogebäude im gegenüberliegenden Karolinenweg, das liebevoll „Karoline“ genannt wird. 

Am Ende der Woche ist der Umzug endlich geschafft. Jetzt kann wieder Alltag einkehren. Die Pressestelle ist aus der Schusslinie, während im Landeshaus noch lange keine Ruhe einkehren wird. Die Koalitionsverhandlungen haben gerade erst begonnen. Ich werde das Ganze in den kommenden zwei Wochen aus sicherer Entfernung beobachten. Meine nächste Station: Praktikum in der Unternehmenskommunikation der Provinzial-Versicherung.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Ansturm auf das Landeshaus

Vor dem Landeshaus halten drei riesige LKW des ZDF. Sie transportieren die Ausstattung für das Wahlstudio im Plenarsaal vom Bürostuhl über meterlange Kabel bis zur Stellwand ist alles dabei. Die Vorbereitungen für die Landtagswahl am 7. Mai sind in vollem Gange. Das macht sich auch im Büro bemerkbar.

Das ZDF lädt sein Equipment aus. (Fotos: Landtag)
Obwohl die Anmeldefrist für den Zugang zum Landtag längst abgelaufen ist, klingelt das Telefon der Pressereferentin noch immer im Minutentakt. Es sind meist Journalisten, die sich für den Wahltag akkreditieren wollen. Doch zu spät "Nein, da können wir leider keine Ausnahme machen" und "Ja, sie hätten sich namentlich anmelden müssen" höre ich sie immer wieder sagen.

Bereits seit Mitte Februar konnten sich Medienvertreter registrieren. Und auch Abgeordnete, die Landesregierung und die Mitarbeiter der Landtagsverwaltung und der Fraktionen, die sich am 7. Mai im Landtag aufhalten wollen, mussten sich bei der zuständigen Kollegin anmelden. Dass sich nicht alle daran halten würden, war abzusehen. Man kennt seine "Pappenheimer". 

Ohne Einlasskarte kein Zutritt ins Landeshaus.
Hinweise, dass nur diejenigen, die sich rechtzeitig angemeldet haben, das Landeshaus am Wahlabend betreten dürfen, gab es einige. Auf drei Erinnerungen an die Medien, folgte eine weitere Pressemitteilung mit der Auskunft, dass "ein spontaner Besuch des Landtages" am 7. Mai nicht möglich sein wird. 

Wer die Frist nicht eingehalten hat, kann das Landeshaus am Wahltag nicht betreten. Es gelten strenge Sicherheitsvorschriften: alle Personalien werden im Vorfeld vom Landeskriminalamt überprüft, die Kapazitäten sind begrenzt. Insgesamt werden etwa 2.000 Gäste im Landtag erwartet, davon rund 1.000 Journalisten  auch TV-Sender aus Russland, Spanien und Dänemark haben sich angekündigt. Ein riesen Menschenauflauf also.

Ich bin schon gespannt, wie viele Leute versuchen werden, sich noch vor Ort zu registrieren. Solche "Notfälle" sind bereits eingeplant: Von vier Einlass-Countern ist einer für die "schweren Fälle" vorgesehen. Zutritt werden sie aber nicht bekommen. Sicherheit geht vor.

Donnerstag, 13. April 2017

Ein guter Anfang

Als ich ins Büro komme, fliegt ein dicker Stapel Papier an meinem Kopf vorbei und landet krachend neben mir. Vor Schreck springe ich zur Seite und stolpere beinahe über den großen Rollcontainer mit Altpapier, der mir den Weg zu meinem Schreibtisch versperrt. Von einer Trittleiter aus zieht mein Kollege nach und nach 40 Aktenordner aus dem Hochschrank, heftet das Papier darin aus und wirft es in den Container. Als er fertig ist, ist der Metallbehälter bis obenhin voll – alles Drucksachen aus der aktuellen Wahlperiode.
 
Wahnsinn, so viel Papier. Nur mit Mühe hievt der Hausarbeiter, der das Altpapier abholt, den Rollcontainer über die Türschwelle. Dass sich in der fünfjährigen Legislaturperiode bei zehn Plenarsitzungen pro Jahr einiges ansammelt, ist klar. Aber dass immer noch so viele Dokumente ausgedruckt werden, obwohl die meisten – wie etwa Drucksachen, Kleine Anfragen, Tagesordnungen und Plenarprotokolle – online abrufbar sind, wundert mich schon.

Im Gespräch mit Kollegen erfahre ich, dass die Landtagsverwaltung seit Jahren daran arbeitet, Papier zu sparen und die Mitarbeiter regelmäßig befragt, welche Dokumente sie weiterhin in gedruckter Form benötigen. Warum dann nicht ganz darauf verzichten? Die Abgeordneten könnten in der neuen Wahlperiode nach der Landtagswahl am 7. Mai zu Vorreitern werden. Sie bekommen ein neues Online-Informationssystem, über das sie alle Unterlagen für die jeweiligen Ausschuss- und Plenarsitzungen abrufen und theoretisch papierlos arbeiten können. 

Ein guter Anfang. Und ich habe das Gefühl, mit dem Papiersparen im Büro ein Thema angestoßen zu haben, bei dem sich jeder angesprochen fühlt. Auch ich habe nun jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich den Drucker benutze.